Leuchtturm / DFB-Stiftung Egidius Braun

Fußball-Ferien-Freizeiten:Viele strahlende Kinderaugen

Seit 1993 gibt es die Fußball-Ferien-Freizeiten. Diese richten sich an Fußballvereine, die sich auf besondere Weise gesellschaftlich engagieren. Rund 1.000 Jugendliche sind auf Einladung der DFB-Stiftung Egidius Braun jedes Jahr bei einer der 18 Fußball-Ferien-Freizeiten dabei. Die  13- bis 15-Jährigen unternehmen neben verschiedenen Aktivitäten auf dem Platz auch Ausflüge und beschäftigen sich mit gesellschaftlichen Fragen. 2024 ging es dabei um Völkerverständigung, 2025 steht das Thema »Demokratie« im Fokus.

 

Simon Rolfes hatte sich extra viel Zeit genommen. Und das, obwohl der Geschäftsführer Sport von Bayer 04 Leverkusen sich im vergangenen Sommer mit täglichen Schlagzeilen zu einem möglichen Wechsel von Jonathan Tah zum FC Bayern München auseinandersetzen musste. Aber den 60 Jugendlichen, die an einer der insgesamt drei Fußball-Ferien-Freizeiten in Hennef teilnahmen, widmete der 43-Jährige dennoch seine volle Aufmerksamkeit. Rolfes, Mitglied des Kuratoriums der DFB-Stiftung Egidius Braun, hatte sie eigens in die BayArena eingeladen.

 

Der langjährige Nationalspieler und heutige Bundesliga-Manager beantwortete geduldig alle Fragen der neugierigen Gäste. Viele waren erwartbar. Einige waren ausgefallen. Wer war sein bester Gegenspieler? »Lionel Messi, der war einfach nicht vom Ball zu trennen.« Welche Ziele hat sich Bayer 04 für die kommenden Jahre gesetzt? »Wir wollen in Deutschland dauerhaft zu den Top vier gehören und in Europa zu den Top 16. Außerdem wollen wir mehr Spieler aus dem eigenen Nachwuchs in die Profimannschaft führen.« Wer waren seine besten Mitspieler? »Ich könnte viele nennen, aber ich beschränke mich auf Dimitar Berbatov, Bernd Schneider, Michael Ballack und Philipp Lahm.« Mit leuchtenden Augen hörten die jungen Gäste zu, als Rolfes einen tiefen Einblick in die Führung eines Profivereins gab.

 

Prominente Gäste bei den Fußball-Ferien-Freizeiten

Der Besuch der Jugendlichen bei Bayer 04 war nur eines von vielen Beispielen, die zeigen, was die Fußball-Ferien-Freizeiten so besonders macht. Das Programm ist vielfältig und abwechslungsreich. Die Fußball-Ferien-Freizeiten sind keine leistungssportorientierten Trainingslager. Fester Bestandteil der Agenda sind beispielsweise Werte-Dialoge, die gemeinsam mit der Initiative GermanDream durchgeführt werden. Besuche in Stadien und Nachwuchsleistungszentren einzelner Bundesligaklubs, im Deutschen Fußballmuseum in Dortmund, auf dem DFB-Campus in Frankfurt, im rheinland-pfälzischen Landtag in Mainz, im Hambacher Schloss oder auch mal in einem Kletterpark gehören ebenso dazu wie Teambuilding-Angebote und Informationen zum ehrenamtlichen Engagement in den Fußballverbänden und -vereinen.

 

Prominente Gäste – wie Simon Rolfes – sind ebenfalls regelmäßig anwesend. So sind Bundesliga-Schiedsrichter und Trainer aus dem DFB-Juniorenbereich ebenso in den Freizeiten dabei wie verschiedene andere prominente Persönlichkeiten aus der Welt des Fußballs und der Gesellschaft. Im Jahr 2024 waren beispielsweise Toni Schumacher, Dr. Markus Merk, »Euro-Eddy« Edgar Schmitt, Hanno Balitsch, Fußballweltmeister Olaf Thon, André Trulsen, Christian Rahn, Lutz Wagner, Jens Nowotny, Sascha Stegemann, der Bundestagsabgeordnete Johannes Steiniger und Musiker Adel Tawil in den Freizeiten zu Besuch. Insgesamt fanden im Jahr 2024 17 Freizeiten statt. Ein Programm musste aufgrund einer kurzfristigen Bauverzögerung in der Sportschule Leipzig entfallen. Die übrigen drei in Leipzig geplanten Programme fanden an der Sportschule Wedau in Duisburg statt.

 

»Freizeiten sind außerschulische Lernorte«

»Die Freizeiten bieten die große Chance, die Jugendlichen auch mit Themen außerhalb des Fußballs zu erreichen. Sie sind nach unserem Verständnis besondere außerschulische Lernorte«, sagt Ralph-Uwe Schaffert, DFB-Vizepräsident und Vorsitzender des Vorstands der DFB-Stiftung Egidius Braun. »Wir greifen deshalb Themen auf, die in diesem besonderen Rahmen vielleicht leichter zu bearbeiten sind als in anderen Konstellationen. Dazu zählen Werte-Dialoge ebenso wie Fragen des Antisemitismus, die wir im vergangenen Jahr zusammen mit Zusammen1 und der Denkfabrik Schalom Aleikum in den Freizeiten mit den Jugendlichen erörtert haben, und Besuche in der KlimaArena in Sinsheim. Wir hatten darüber hinaus Wheelsoccer-Angebote, es gab Schnupperkurse im Wasserball und Tipps zu gesunder Ernährung. Im Doppelpass mit der Robert-Enke-Stiftung ging es in einzelnen Freizeiten auch um das Thema Depression.«

 

Die Fußball-Ferien-Freizeiten sind der beste Beweis dafür, dass der Fußball – wie auch andere gesellschaftliche Bereiche – davon lebt, dass Menschen sich für Menschen engagieren, ohne zu fragen, was sie dafür bekommen. Das Ehrenamt trägt an vielen Stellen die Gesellschaft. Und ohne ehrenamtliches Engagement wären auch die Fußball-Ferien-Freizeiten nicht denkbar, denn die Jugendlichen könnten nicht dabei sein, wenn nicht Trainerinnen und Trainer bereit wären, sie zu begleiten und ihnen im wahrsten Sinne des Wortes ihre Zeit zu schenken. Genau deshalb werden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Rahmen der Freizeiten dazu ermutigt, sich ebenfalls ehrenamtlich zu engagieren. Beispielsweise als Schiedsrichterinnen und Schiedsrichter. Hierfür werben aktive Referees aus den DFB-Ligen, die vor Ort kommen und über ihre Tätigkeit berichten.

 

»Abstrakte Themen greifbar machen«

Volker Bouffier, 2010 bis 2022 Ministerpräsident des Landes Hessen und heute im Kuratorium der DFB-Stiftung Egidius Braun aktiv, war bei einer Freizeit in der Sportschule Grünberg zu Gast, um mit den Teilnehmenden über Werte zu diskutieren. Hinterher fasste er seine Eindrücke zusammen: »Mich hat beeindruckt, wie lebhaft die Jugendlichen aus ihrer Welt berichtet haben. Wenn sie über Werte sprechen, verbinden sie dies mit Erfahrungen aus ihrem Verein, aus der Schule und ihrem privaten Umfeld. Im Mittelpunkt stehen dabei die Fragen, wie man miteinander umgehen sollte, wie man Niederlagen verdaut oder sich als Sieger verhalten sollte. Die sonst für junge Menschen vielleicht etwas abstrakte Diskussion über Werte wird so für alle nachvollziehbar und greifbar.«

 

Egidius Braun war davon überzeugt, dass der Fußball weit mehr als ein 1:0 ist, dass diesem Sport also eine besondere Kraft innewohnt. Auch Volker Bouffier hatte im Rahmen der Diskussionen mit den Jugendlichen eine klare Meinung dazu, ob der Fußball aus seiner Sicht eine entscheidende Rolle bei der Vermittlung von Werten spielen könne. »Unbedingt«, betonte Bouffier. »Der Fußball kann eine große Wirkung entfalten. Dieser Sport erreicht unglaublich viele Menschen. Die Stars haben eine wichtige Vorbildfunktion. Was sie auf und neben dem Platz tun, wird gerade von Jugendlichen über soziale Medien intensiv wahrgenommen. Im Alltag, also in Vereinen und auf dem Bolzplatz, hat der Fußball aber auch eine große Bedeutung für unser Miteinander. Er kann helfen, Vorurteile abzubauen und den gegenseitigen Respekt zu stärken. Wenn etwa Kinder unterschiedlicher Herkunft miteinander kicken, hat das eine andere Bedeutung, als wenn man nur über Integration spricht. Der Fußball ist vielerorts ein Integrationsmotor.«

 

»Die Freizeiten bieten die große Chance, die Jugendlichen auch mit Themen außerhalb des Fußballs zu erreichen. Sie sind nach unserem Verständnis besondere außerschulische Lernorte.«

DFB-Vizepräsident Ralph-Uwe Schaffert

 

Auch 2025 wieder 75 Vereine in den 18 Freizeiten dabei

Volker Bouffier hob zudem lobend hervor, dass es nach wie vor eine Menge Jugendliche gibt, die sich engagieren: »Sie tun dies nicht, weil sie hoffen, dafür ausgezeichnet zu werden. Sie tun dies aus Freude und Überzeugung. Wer eine Jugendmannschaft trainiert und erlebt, wie die Kinder sich über einen Erfolg freuen, bekommt auch viel zurück.« Dieses Wechselspiel funktioniere immer noch, ist Bouffier überzeugt: »Aber man muss bei der Begeisterung für ein ehrenamtliches Engagement anders vorgehen als früher. Es gilt, jungen Menschen frühzeitig Verantwortung zu übertragen, ohne sie mit langfristigen Erwartungen zu überfordern. Auch müssen die Strukturen flexibler werden. Wenn man beispielsweise Frauen für eine Tätigkeit begeistern will, darf die Vorstandssitzung eben nicht wie gewohnt um 19 oder 20 Uhr stattfinden, wenn Mütter ihre Kinder ins Bett bringen müssen. Junge Leute haben sicherlich einen anderen Blick auf das Leben und einen anderen Umgang mit Medien und Kommunikation. Im Kern ist aber die Bereitschaft da, sich zu engagieren, wenn sie richtig angesprochen werden.«

 

Und wie geht es 2025 mit den Fußball-Ferien-Freizeiten weiter? »Wir laden wiederum 75 Vereinsgruppen mit jeweils zwölf Jugendlichen und zwei Betreuerinnen und Betreuern ein, zu uns zu kommen«, sagt Schaffert. Das Freizeitjahr startet am 9. Juli 2025 und geht dann nonstop bis zum 1. September 2025. Die Bewerbungsphase für die 18 einwöchigen Programme quer durch die Republik ist bereits abgeschlossen. »Schwerpunktmäßig geht es in 2025 um das Thema ›Demokratie‹, das uns insbesondere im Jahr der Bundestagswahl alle besonders bewegen muss«, betont Ralph-Uwe Schaffert. Fußballvereine sind Orte der gelebten Demokratie, Orte, wo grundlegende demokratische Werte wie Mitbestimmung, Chancengleichheit und Verantwortung gefördert werden.

 

Im Jahr 2024 gab es drei zusätzliche Freizeiten

Die DFB-Stiftung Egidius Braun trägt für alle teilnehmenden Mannschaften die Kosten für Unterbringung, Verpflegung und das Programm. Auch die An- und Abreise wird organisiert und übernommen. »Bei den Freizeiten geht es immer auch um ein Dankeschön an Fußballvereine, die sich an der oft zitierten Basis mit besonderem Engagement hervortun«, erklärt Tobias Wrzesinski, Geschäftsführer der DFB-Stiftung Egidius Braun. Dies war dem ursprünglichen Initiator der Freizeiten – dem langjährigen DFB-Präsidenten Egidius Braun – eine Herzensangelegenheit, und diese Ambition ist immer noch aktuell.

 

Neben den klassischen Fußball-Ferien-Freizeiten wurden 2024 drei Sonder-Freizeiten durchgeführt. Im Uwe Seeler Fußball Park in Malente waren Kinder und Jugendliche zu Gast, die eine Krebserkrankung hinter sich gebracht haben. Sie waren zusammen mit einem Freund oder einem Geschwisterkind eingeladen. Durchgeführt wurde das Programm zusammen mit dem Netzwerk Active Onko Kids sowie dem Hopp-Kindertumorzentrum Heidelberg.

 

Ebenfalls in Malente sowie in der Sportschule Barsinghausen wurden zusammen mit dem ukrainischen Fußballverband und der DFB-Auslandsabteilung zwei Programme für Kinder und Jugendliche aus der Ukraine durchgeführt.

 

Für alle 20 Fußball-Ferien-Freizeiten im vergangenen Jahr gilt: Es hat sich ein besonderer Geist entwickelt. Die gemeinsame Zeit führte zu einem besonderen Zusammenhalt innerhalb der Gruppe. Man teilte gemeinsame Erlebnisse und knüpfte neue Freundschaften. Das bleibt oft für sehr lange Zeit in bester Erinnerung. Genau das ist die Idee seit mehr als 30 Jahren und so soll es auch im Sommer 2025 wieder sein. Wir freuen uns jedenfalls schon jetzt darauf, im nächsten Sommer wieder in viele strahlende Kinderaugen zu sehen.