Leuchtturm/DFB-Stiftung Sepp Herberger

Fußball ist für alle da

Im Jahr 2024 zog die Deutsche Fußball-Meisterschaft der Werkstätten für behinderte Menschen einmal mehr Aktive sowie Zuschauerinnen und Zuschauer in ihren Bann. Sie ist das bundesweit größte Turnier für Menschen mit geistigen und psychischen Handicaps.Der Wettbewerb wird von der Bundesarbeitsgemeinschaft Werkstätten für behinderte Menschen (BAG WfbM), der DFB-Stiftung Sepp Herberger und dem Deutschen Behindertensportverband (DBS) organisiert und durchgeführt. Was macht die Veranstaltung so besonders?

 

Otto Rehhagel hat im Fußball als Trainer alles erlebt. Großartige Zeiten mit dem SV Werder Bremen. Den sensationellen Triumph bei der Europameisterschaft 2004 mit der griechischen Nationalmannschaft in Portugal. Den Gewinn der Deutschen Meisterschaft 1998 mit dem 1. FC Kaiserslautern – als Aufsteiger. Das gab es vorher noch nie und wird es vermutlich auch niemals mehr geben. Trotzdem ist es nicht möglich, Otto Rehhagels Wirken für den deutschen Fußball auf einzelne Erfolge zu reduzieren. Dafür hat der 86-Jährige zu viel erreicht.

 

Aber eine Sache war Rehhagel eine besondere Herzensangelegenheit – und sie hatte nichts mit dem Hochglanzfußball zu tun, den man aus dem Fernsehen kennt: Im vergangenen Sommer war das Kuratoriumsmitglied der DFB-Stiftung Sepp Herberger eigens in die Sportschule Wedau nach Duisburg gereist, um die Deutsche Fußball-Meisterschaft der Werkstätten für behinderte Menschen zu eröffnen. Es war Rehhagel ein persönliches Anliegen, den Fußballerinnen und Fußballern mit geistigen und psychischen Behinderungen die Ehre zu erweisen und wie in den Jahren zuvor am Tag der Eröffnung dabei zu sein.

 

»Freude schenken und eine abwechslungsreiche Zeit bereiten«

Aber Rehhagel war nicht allein gekommen. Auch Bundestagspräsidentin Bärbel Bas und DFB-Präsident Bernd Neuendorf waren vor Ort. Bärbel Bas sagte hinterher: »Ich bin überzeugt, dass Sport einen wichtigen Beitrag leisten kann, Vorurteile zu überwinden und das Miteinander von Menschen mit und ohne Behinderungen in unserer vielfältigen Gesellschaft zu stärken.« Und Bernd Neuendorf ergänzte: »Seit vielen Jahren organisiert die DFB-Stiftung Sepp Herberger gemeinsam mit ihren Partnern die Deutsche Fußball-Meisterschaft der Werkstätten für behinderte Menschen. Unser Engagement zeigt uns, dass in den Einrichtungen viele fußballbegeisterte Beschäftigte arbeiten. Wir wollen den Fußballerinnen und Fußballern im Rahmen dieser Veranstaltung Freude schenken und eine abwechslungsreiche Zeit bereiten. Unser Ziel ist es, Menschen mit Behinderungen in die große Fußballfamilie zu integrieren.«

 

Und genau das gelingt bei dieser Veranstaltung jedes Jahr auf beeindruckende Art und Weise. »Die Deutsche Fußball-Meisterschaft der Werkstätten für behinderte Menschen ist mehr als nur ein sportliches Ereignis.Sie bietet Menschen mit Behinderungen eine Plattform, um ihre Talente zu zeigen und ihr Selbstwertgefühl zu stärken. Werkstätten für behinderte Menschen setzen mit dem Turnier also auch ein bedeutendes Zeichen für Zusammenhalt, Toleranz und Vielfalt in unserer Gesellschaft«, betonte Martin Berg, langjähriger Vorstandsvorsitzender der BAG WfbM.

 

Fünfter Titel für Berliner Werkstätten

Und Friedhelm Julius Beucher, Präsident des Deutschen Behindertensportverbandes, sagte: »Große Ereignisse wie die Olympischen und Paralympischen Spiele in Paris können einen enormen Antrieb für mehr Barrierefreiheit und Inklusion im Sport geben. Aber auch im Kleinen gilt es, Initiative zu zeigen. Das tun wir gemeinsam mit unseren Partner-Verbänden auch bei der alljährlichen Deutschen Fußball-Meisterschaft der Werkstätten.«

 

Für die rund 300 Fußballerinnen und Fußballer ging es aber natürlich in erster Linie um den Teamspirit und das Gewinnen. Bei den Frauen verteidigte die Landesauswahl aus Schleswig-Holstein – bestehend aus neun Einrichtungen – ihren Titel aus dem Jahr 2023 durch einen 2:0-Erfolg gegen Hephata Mönchengladbach (Nordrhein-Westfalen). Bei den Männern wurden die Berliner Werkstätten für Menschen mit Behinderung zum fünften Mal Deutscher Meister – diesmal durch ein 5:0 gegen die Wefa gGmbH aus Bayern. Im »kleinen Finale« gingen die Spieler der Hannoverschen Werkstätten als Sieger vom Platz. Der ehemalige deutsche Nationalspieler Michael Preetz ehrte zusammen mit DFB-Vizepräsident Ralph-Uwe Schaffert die stolzen Siegerinnen und Sieger.

 

»Beim Fußball gewinnt und verliert man immer nur gemeinsam«, erklärte Preetz im Rahmen der Siegerehrung. »Das durfte ich auch bei den Spielen hier in Duisburg erleben. Spielerinnen und Spieler, Trainerinnen und Trainer, Betreuerinnen und Betreuer sowie die Fans mit und ohne Behinderungen haben gemeinsam alles für ihr Team gegeben.«

 

»Sie sehen bei unserem Turnier, wie bedeutsam Inklusion und gesellschaftliche Teilhabe von Menschen mit Behinderungen sind – nicht nur im Sport.«

DFB-Vizepräsident Ralph-Uwe Schaffert

 

Inklusion und gesellschaftliche Teilhabe wichtig

Für die 23. Auflage der Deutschen Fußball-Meisterschaft der Werkstätten für behinderte Menschen hatten sich fünf Frauen- und 15 Männerteams qualifiziert. Die Teilnehmenden erlebten nicht nur packende Spiele, sondern auch großen Zusammenhalt. Für Mannschaften, die sich im Laufe des Turniers auf und neben dem Platz besonders fair verhielten, gab es daher die Auszeichnung mit dem Fair-Play-Pokal. Er ging im Jahr 2024 an das Frauenteam der Spielgemeinschaft Hessen und das Männerteam der Nordthüringer Werkstätten.

 

»Die Teilnahme an der Deutschen Fußball-Meisterschaft der Werkstätten ist für viele Teams ein ganz besonderes Highlight. Sie bereiten sich lange auf das Turnier vor und gehen jede Partie mit großer Leidenschaft und Motivation an. Das begeistert auch die Zuschauerinnen und Zuschauer jedes Jahr aufs Neue. Sie sehen bei unserem Turnier, wie bedeutsam Inklusion und gesellschaftliche Teilhabe von Menschen mit Behinderungen sind – nicht nur im Sport«, resümierte Ralph-Uwe Schaffert, der Vorsitzende des Vorstands der DFB-Stiftung Sepp Herberger.

 

Im Jahr 2025 findet die Deutsche Fußball-Meisterschaft der Werkstätten für behinderte Menschen vom 15. bis 18. September statt. Dann wird bestimmt auch Otto Rehhagel wieder vor Ort dabei sein …

 

Turnier mit langer Geschichte

Die Geschichte der nationalen Titelkämpfe der Werkstätten für behinderte Menschen begann im ersten Jahr unseres Jahrtausends als »Bundeswettbewerb Fußball der Werkstätten für behinderte Menschen«. Seit 2008 trägt der Wettbewerb den Titel »Deutsche Fußball-Meisterschaft der Werkstätten für behinderte Menschen«. Die Idee zum Turnier stammt von Hermann Korfmacher, langjähriger Geschäftsführer der wertkreis Gütersloh gGmbH und heute Mitglied im Kuratorium der DFB-Stiftung Sepp Herberger sowie DFB-Ehrenmitglied. Korfmacher hatte sich seinerzeit als Mitglied des DFB-Präsidiums zusammen mit DFB-Abteilungsleiter Wolfgang Möbius für den Wettbewerb stark gemacht.

 

Von Beginn an stand der Gedanke im Vordergrund, nicht allein einen sportlichen Wettstreit um den Sieg zu initiieren. Vielmehr sollen die Teilnehmenden vier unvergessliche Tage und eine Abwechslung von ihrem Lebensalltag erleben. Denn die Begeisterung für den Fußball verbindet Menschen mit und ohne Behinderungen.

 

Das Jahr 2013 stellt einen Meilenstein dar

Die Deutsche Fußball-Meisterschaft der Werkstätten bietet die Möglichkeit, Teamgeist, Fairness und Konfliktfähigkeit zu lernen und zu leben. Sie ist eine Plattform, um miteinander ins Gespräch zu kommen und Anerkennung für hervorragende sportliche Leistungen zu erfahren. Das Turnier ist über die Jahre zum sportlichen Höhepunkt des Werkstattfußballs geworden. Organisiert und durchgeführt wird die Meisterschaft von der Bundesarbeitsgemeinschaft Werkstätten für behinderte Menschen, der DFB-Stiftung Sepp Herberger und dem Deutschen Behindertensportverband.

 

Umfasste die Meisterschaft zunächst nur ein Männer-Turnier, so setzten die Initiatoren 2013 einen weiteren Meilenstein, als erstmals auch Frauen einen Meister ermittelten. Das Männer-Turnier bestreiten die Landesmeister der 16 Bundesländer. Die Teilnehmer am Frauen-Turnier werden hingegen vom jeweiligen Bundesland benannt, da die Zahl von Frauenteams in den Werkstätten aktuell noch weniger groß ist. Daher haben sich in den vergangenen Jahren teils Spielerinnen aus mehreren Einrichtungen für das Turnier zusammengeschlossen. Langfristiges Ziel ist es aber, dass auch beim Frauen-Turnier 16 Teams aus 16 Bundesländern antreten.

 

Um das Zusammenwirken zwischen Fußballvereinen und Werkstätten zu befördern, engagieren sich BAG WfbM und die DFB-Stiftung Sepp Herberger zudem mit dem Programm »700 Vereine – 700 Werkstätten«.  

 

Weitere Informationen unter www.fussball-wfbm.de

 

Die Turniersieger in der Übersicht

Männer-Turnier:

2001: Westfalenfleiß GmbH Arbeiten und Wohnen, Nordrhein-Westfalen

2002: Westfalenfleiß GmbH Arbeiten und Wohnen, Nordrhein-Westfalen

2003: Recklinghäuser Werkstätten, Nordrhein-Westfalen

2004: Recklinghäuser Werkstätten, Nordrhein-Westfalen

2005: Recklinghäuser Werkstätten, Nordrhein-Westfalen

2006: Werkstätten Rendsburg-Eckernförde, Schleswig-Holstein

2007: Recklinghäuser Werkstätten, Nordrhein-Westfalen

2008: Reha-Werkstatt Oberrad, Hessen

2009: Recklinghäuser Werkstätten, Nordrhein-Westfalen

2010: Reha-Werkstatt Oberrad, Hessen

2011: LWB – Lichtenberger Werkstatt für Behinderte, Berlin

2012: Reha-Werkstatt Oberrad, Hessen

2013: BWB (Berliner Werkstätten für Menschen mit Behinderung), Berlin

2014: BWB (Berliner Werkstätten für Menschen mit Behinderung), Berlin

2015: Recklinghäuser Werkstätten, Nordrhein-Westfalen

2016: Alexianer Werkstätten, Nordrhein-Westfalen

2017: Werkstätten Rendsburg-Eckernförde, Schleswig-Holstein

2018: Hannoversche Werkstätten, Niedersachsen

2019: BWB (Berliner Werkstätten für Menschen mit Behinderung), Berlin

2020/21: kein Turnier ausgespielt (Corona-Pandemie)

2022: BWB (Berliner Werkstätten für Menschen mit Behinderung), Berlin

2023: Hannoversche Werkstätten, Niedersachsen

2024: BWB (Berliner Werkstätten für Menschen mit Behinderung), Berlin

 

Frauen-Turnier:

2013: Lebenshilfe Bocholt, Nordrhein-Westfalen

2014: Integra e.V., Nordrhein-Westfalen

2015: Sportfreunde 08/21 Bottrop e.V., Nordrhein-Westfalen

2016: Sportfreunde 08/21 Bottrop e.V., Nordrhein-Westfalen

2017: Integra e.V., Nordrhein-Westfalen

2018: Team Berlin, Berlin

2019: Hephata Mönchengladbach, Nordrhein-Westfalen

2020/21: kein Turnier ausgespielt (Corona-Pandemie)

2022: Hephata Mönchengladbach, Nordrhein-Westfalen

2023: Spielgemeinschaft Schleswig-Holstein, Schleswig-Holstein

2024: Landesauswahl Schleswig-Holstein, Schleswig-Holstein